Im Heimatland des Plovs

Rückblick Teil 3, Usbekistan. Isolation, Zensur und Personenkult ade. Nach fünf Tagen Transit durch Turkmenistan traf ich in Usbekistan wieder auf neugierige und freundlichere Menschen. Ich möchte Usbekistan aber nicht über den grünen Klee loben, auch hier ist’s mit den demokratischen Werten nicht weit her. Innenpolitisch wird das Land von Präsident Karimov geführt, wieder so ein Unabhängigkeitsdinosaurier. Nicht, dass einer glaubt, ich bevorzugte Diktaturen auf meiner Reise – diese Länder, und davon abgesehen spannenden Kulturen, liegen nunmal auf meinem Weg.  Weiterlesen „Im Heimatland des Plovs“

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Gesegnet ins Land der Turkmenen

Rückblick Teil 2, Shiraz im Süden Irans. Meine Tage in diesem wunderbaren Land der gastfreundlichen und schönen Menschen waren gezählt. Mit dem Nachtzug ging es vom Süden in den Osten des Landes einmal quer durch die Wüste. Stolze 970.000 Rial, etwa 30 Euro kam mich die Fahrt. Normalerweise kostet sowas nicht mehr als zehn Euro. Mashhad ist die zweitgrößte Stadt des Irans und vor allem als bedeutender schiitischer Pilgerort bekannt. Das beruht darauf, dass sich hier der achte Nachfahre des Propheten Mohammed, Ali Reza, als einziger seiner elf schiitischen Kollegen auf iranischem Boden zur Ruhe gelassen hat. Der Weg dorthin war für mich bereits eine Pilgerreise. Überraschend wurde mir ein eigenes Abteil in dem ausgebuchten Zug zugewiesen, da sich mein Bett in einem Frauenabteil befand. Schade, aber aufregend war die Fahrt trotzdem.  Weiterlesen „Gesegnet ins Land der Turkmenen“

Auf einen Tee nach Bergkarabach in den Iran

Die zehnstündige Nachtzugfahrt nach Yerevan hätte gern noch etwas andauern können: kurz vor sieben Uhr waren wir schon in Armeniens Hauptstadt angekommen. Per Metro und pedes steuerten wir erst einmal unser Hostel an. Der öffentliche Nahverkehr ist hier nicht besonders gut aufgestellt. Die wenigen, äußerst selten verkehrenden Trolleybuslinien werden von einem unübersichtlichen Dieselbusnetz chinesischer Busse der Chinaaid sowie unzähliger Taxis ergänzt. Die meiste Zeit liefen wir zu Fuß, auch wenn eine innerstädtische Taxifahrt gerade einmal 1000 Dram, also weniger als zwei Euro kostet, oder eine Metrofahrt 20 Cent.

Ankunft unseres Nachtzugs in Yerevan aus Tbilisi
Yerevan, 6:55 Uhr. Ankunft unseres Nachtzugs aus Tbilisi

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Moldawische Grenzerfahrungen

Chişinău. Der einfachste Weg von hier nach Rumänien zu fahren, wäre nachmittags mit dem Nachtzug nach Bukarest gewesen. Da mir Moldawien aber recht gut gefiel, änderte ich meine Route, um an diesem Tag den moldauischen Norden zu besichtigen. Ich lief zum selben chaotischen Busbahnhof, an dem ich gestern angekommen war. An jeder Ecke fuhr ein Minibus in eine andere Richtung ab. Als Backpacker wurde ich schon aus 50 m Entfernung von gierigen Busfahrern gewittert. Sie schickten mich zu den Bãlţi-guys, die in einer Seitenstraße um meine Kundschaft buhlten, von denen aber keiner auch nur ein Wort Englisch sprach, sondern lauthals auf moldawisch auf mich einredeten. In so einer Situation gilt es, die Ruhe zu bewahren und abzuwarten, bis vielleicht eine Rabattschlacht der Händler untereinander beginnt. Tatsächlich wurden die Handys gezückt und der beste Preis gezeigt. Wenn man Ausländer ist, weiß man ja nie so recht, ob einem nicht ein per se höherer Preis genannt wird. Schließlich übergab ich mich einem Opelfahrer, der mich gemeinsam mit drei Mitfahrern für 65 Lei, umgerechnet drei Euro, nach Nordmoldawien brachte. Weiterlesen „Moldawische Grenzerfahrungen“

Willkommen in Transnistrien

Wo ist eigentlich Gleis 10? Fünfzehn Minuten vor Abfahrt meines Zuges stand ich ratlos auf dem Querbahnsteig von Odessa. Der Kopfbahnhof hat neun, fein nummerierte Gleise. Ausgerechnet das zehnte, auf dem mein Zug nach Moldawien abfahren sollte, gab es nicht. Hektisch fragte ich andere Reisende auf gebrochenem Russisch nach meinem Zug, da ich einen längeren Weg bis dahin vermutete. Eine Schaffnerin verstand schließlich mein Problem und zeigte mir den Weg: einige hundert Meter weiter außerhalb stand der Dreiwagenzug schon bereitgestellt. Hinter mir kam noch ein anderer Rucksacktouri angerannt, der es auch gerade noch so geschafft hatte. Die Mitfahrt im Sitzwagen der moldawischen Staatsbahn mit hölzernen Sitzbänken und Gardinen war es die Reise schon wert. Jeder Wagen hatte einen eigenen Schaffner, Personal kostet hier ja nichts. Dieser, bisher spannendste Zuglauf auf meiner Reise, fährt täglich von Odessa in die moldawische Hauptstadt Chişinău und durchquert dabei die von Moldawien abgespaltete, autonome Region Transnistrien. Man befährt also ein nicht anerkanntes Territorium mit ordentlichen Grenzkontrollen. Entgegen wüster Behauptungen im Internet stellt es heute aber kein Problem dar, von der Ukraine nach Moldawien zu fahren. Transnistrien jedoch ohne Halt zu queren, erschien mir zu profan, wollte ich mir diese Ecke doch mal genauer ansehen. Also löste ich meine Fahrkarte nur bis Tiraspol, der ersten größeren Stadt hinter der ukrainischen Grenze. Weiterlesen „Willkommen in Transnistrien“

Ukrainisches Debüt

Am vierten Tag sollte es schon in die Ukraine gehen. Um 12:04 Uhr ging es in gut zwei Stunden bis zum letzten slowakischen Ort Čierna nad Tisou nahe der ukrainischen Grenze. Dort schien die Zeit still zu stehen, ein Bahnhof wie er sozialistischer hätte nicht sein können. Bis auf die Einführung des Euro hatte der Bahnhof wohl in den letzten 30 Jahren nicht viel Neues gesehen. Weder ein Fahrplan, noch eine Ansage oder geschweige denn eine profane Bahnsteigbeschilderung wiesen auf meine Weiterfahrt hin. Da aber der letzte Wagen unseres 6-Wagen-Zuges auf das Nachbargleis rangiert und an einen Ein-Wagen-Zug gehängt wurde, wusste ich, dass dies mein Anschlusszug sein muss. Dieser bestand nämlich aus einem Erste-Klasse-Wagen der ehemals tschechoslowakischen Staatsbahn aus den tiefen Achtzigern und einem zusätzlichem blau-gelb lackierten Normalspurwagen der Ukrainischen Staatsbahn. Eine merkwürdige, aber sehr diplomatische Zuggarnitur, wie ich finde. Weiterlesen „Ukrainisches Debüt“